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AARE ZEITUNG, Donnerstag, 12. Januar 2017 | KW 2 | 7. Jahrgang | Inserateannahme: 062 212 99 88 | Redaktion: 062 212 34 94 | info@oltnerwoche.ch | www.oltnerwoche.ch

          R A PH A EL                                      KURT                                    DER                                                  SEBALTER
          AMMANN                                           FLURI                                   ROTHIRSCH
                                                                                                                                                            Der grossartige Se-
             Fast jede zweite Inva-                           Wer starke Gemeinden                     Das Pro Natura Tier                                  balter veröffentlicht
             lidenrente wird in der                           und Kantone, sichere                     des Jahres 2017 ist                                  am 20. Januar 2017
             Schweiz wegen eines                              Steuereinnahmen und                      der Rothirsch (Cervus                                sein zweites Album.
             Stolper- und Sturzun-                            Arbeitsplätze will, sagt                 elaphus).
             falls ausgerichtet.                              am 12. Februar Ja zur                                                          SEITE 13
                                                              Steuerreform.             SEITE 11
SEITE 3
                                                 SEITE 5

In der Schweiz greift Panik um sich

Sie können jeden treffen und                                                                     tion im Behindertenwesen, be-
überall und jederzeit auftre-                                                                    trifft rund ein Drittel der Dos-
ten: Angststörungen – Pani-                                                                      siers Menschen mit psychischen
kattacken. In der Schweiz                                                                        Beeinträchtigungen, wie zum
leiden 800’000 Menschen an                                                                       Beispiel Angststörungen. Diese
dieser Form von psychischer                                                                      Menschen unterstützt Pro In-
Beeinträchtigung. Oftmals                                                                        firmis mit Beratung und Beglei-
ist sie so schwer, dass sie die                                                                  tung.
Betroffenen komplett vom so-                                                                     Angststörungen sind ein gesell-
zialen Leben ausschliesst, sie                                                                   schaftliches Tabu, obwohl jede
im eigentlichen Sinne behin-                                                                     zehnte Person in der Schweiz
dert. «Sprechen wir darü-                                                                        betroffen ist. «Mit der Kampa-                                                                                   Diabetes – was nun ?
ber», fordert pro infirmis die                                                                   gne ‹Angst lähmt› möchten wir
Schweizer auf.                                                                          Bild: zVg die Öffentlichkeit für das Thema                                                                                20 Beratungsstellen in Ihrer Region
Angst kann unser Leben kom-        Angst kann Betroffene derart lähmen, dass sie sich im öffentlichen Leben Angststörungen sensibilisie-
plett auf den Kopf stellen: «Mit   stärker eingeschränkt fühlen als beispielsweise körperlich behinderte ren und die Stigmatisierung der                                                                              ddiabieatebsscehwteeiz sschweiz
Freunden gehe ich nicht mehr                                                                                                                                                                                                                     Information. Beratung. Prävention.
ins Restaurant, ich besuche
keine Konzerte mehr, gehe in                                                                                                                                                                                       www.diabetesschweiz.ch / PC 80-9730-7
kein Museum, und meine Ein-
käufe erledige ich im Internet.    Mitmenschen.                                                  psychischen Behinderung ab-
Der Wunsch nach einem Spa-                                                                       bauen», erklärt Mark Zumbühl,
ziergang an der frischen Luft ist  störungen, die Agoraphobie, be- troffenen überhaupt Hilfe su- Mitglied der Geschäftsleitung
zwar da, aber die Angst vor einer  ginnt in der Regel im Ãœbergang chen, haben die Kosten der psy- von Pro Infirmis. Der Kampag-
Panikattacke zu gross. Ich bleibe  von der Adoleszenz ins Erwach- chischen Erkrankungen in der nenfilm, der über Social Media
zuhause, eingeschlossen in der     senenalter. Betroffene können Schweiz schon vor fünf Jahren verbreitet wird, wurde mit dem
Wohnung, ausgeschlossen aus        sich nicht in öffentlichen Räu- die Milliardengrenze überschrit- bekannten und vielfach ausge-
der Gesellschaft.» So beschreibt   men, Verkehrsmitteln oder grö- ten (Angaben IV). Dazu kom- zeichneten dänischen Regis-
Erika B. aus Zürich ihren Alltag   sseren Menschenansammlun- men zusätzliche indirekte Kos- seur Martin Werner gedreht und
in der akuten Phase ihrer Krank-   gen aufhalten. Sie leiden unter ten wie etwa Arbeitsausfälle von nimmt den Kampagnen-Claim
heit. Sie ist in «guter», promi-   Symptomen wie Herzrasen oder einer halben Milliarde Franken. «Angst lähmt» auf spiele-
nenter Gesellschaft: Musiker wie   Herzstechen, Zittern, Schwindel, Bei Pro Infirmis, der grössten risch-ernsthafte Art auf.
Eric Clapton und David Bowie lit-  Schweissausbrüchen oder Ersti- schweizerischen Fachorganisa-
ten unter Panikattacken, Schrift-  ckungsangst. Aus Angst vor die-                                                Walter Ryser
steller wie Bertold Brecht und
Franz Kafka wurden zeitlebens      sen Symptomen meiden sie die                         Was sind Angststörungen?
von starken Ängsten geplagt.       Öffentlichkeit und ziehen sich
Angststörungen sind in der         zurück. In der Konsequenz ver-        Als Angststörung bezeichnet man einen krankhaften Zustand,
Schweiz nach Depressionen die      lieren sie oft die Arbeitsstelle so-  bei dem starke Ängste oder Panikattacken scheinbar grundlos
zweithäufigste psychische Be-      wie den Anschluss an das gesell-      und unangemessen auftreten. Betroffene leiden unter physischen
einträchtigung. Frauen sind rund   schaftliche Leben.                    Symptomen wie Herzrasen oder Herzstechen, Zittern, Schweis-
zweieinhalb Mal häufiger betrof-                                         sausbrüchen, Schwindel oder Erstickungsangst. Typische Merk-
fen als Männer. Eine der schwer-                                         male krankhafter Angst: Die Angst ist der Situation nicht ange-
wiegendsten Formen von Angst-       Ein gesellschaftliches Tabu          messen; die Angstreaktion dauert länger als nötig; die Angst ist
                                   Von den Leistungsbezügern der         unerklärbar, nicht beeinflussbar und nicht zu bewältigen.
                                   Invalidenversicherung (IV) ha-        Ohne Behandlung verlaufen Angststörungen oft fluktuierend.
                                   ben rund 45 Prozent eine Diag-        Weiter können sie sich zur chronischen Erkrankung entwickeln.
                                   nose einer psychischen Erkran-        Durch eine Therapie lassen sich Ängste in der Regel positiv beein-
                                   kung wie beispielsweise Angst-        flussen. Panikattacken, Erwartungsangst oder Vermeidungsver-
                                   störungen. Obwohl geschätzt           halten können vermindert oder völlig abgebaut werden.
                                   nur 30 bis 50 Prozent der Be-

                                                                                                        DPoCorHsnTta-feF4acaEl6.chIx-hn0Me3treasOtrilrnlate+sets+n4ei41nw21f6o6w62@2w2b2.1b3123m21m.70c.6hc3h300
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